14. Sep 2004 |
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Nein, besser könnte es auch ein Roberto Blanco nicht ausdrücken, was ein Derby so alles zu bieten hätte, wäre man nicht auf einen Haufen Söldner angewiesen, die eigentlich gar nicht mehr wissen können, worum es bei einem echten Derby wirklich gehen tut...
Und mit dem Negativum "Söldner" sind nicht nur die Spieler der beteiligten Mannschaften gemeint, nein, auch andere Verdächtige, speziell mal wieder diverse Verantwortliche des VfB Lübeck v. 1919, scheinen aber auch nicht die geringste Ahnung zu haben, welch abgrundtiefe Abneigung gegenüber dem verhassten Konkurrenten hinter den Schläfen der ('tschuldigung, aber das Wort wird jetzt echt gebraucht!) echten Fans pocht!
Wo fangen wir denn mal an? Ach ja, das Bier: rühmten wir uns die letzten Dekaden nicht zu Unrecht, dass auf der Lohmühle ausnahmslos unzensiertes Bier die durstigen Kehlen passieren durfte, war gegen die Altenholzener Rumpftruppe gar plötzelich bleifrei tanken angesagt, was die damit eingeplante Gewaltprävention zu einem Umkehrschluss führte, die sich auch noch gegen die völlig Verkehrten richtete, denn was kann der arme Kerl am Zapfhahn dafür?
Womit machen wir denn mal weiter? Ach ja, der Stadionsprecher: dass wir eine negative Bilanz gegen die Nordpreetzer aufweisen, ist schon schlimm genug - dass Du armseliges Würstchen denen das auch noch auf dem Silbertablett servieren musst, ist noch viel schlimmer! Alter, es ist DERBY! Gegen KIHL! Wie willst Du denn die Sitzplatzkanacken motivieren, den Arsch hochzukriegen? Doch nicht mit dem Runterleiern von negativen Bilanzen oder dem Vorlesen der falschen (!) Mannschaftsaufstellung oder sonstwelchen langweiligen Blubberlutschdämlichkeiten!
Was war denn noch? Ach ja, die Spieler: über die froschfressenden Vögel lasse ich mich an dieser Stelle nicht aus, die sind selbstverständlich sowieso alle bescheuert.
Nun ja, so schlimm isses nu auch wieder nich, schließ- und endlich haben wir ja gegen die THW-Vasallen gewonnen. Und das durch ein Joker-Tor der allerersten Kategorie: Schweinsteiger eingewechselt, erstes Spiel für den VfB, 10 Sekunden auf dem Platz, Zuckertor oben rechts in den Winkel, das Siegtor, und damit jetzt schon auf ewig unsterblich in den Annalen des Vereins als Held verankert, selbst, wenn er ab jetzt nur noch Eigentore schießt.
Alles in allem: das war ein Derby, das eigentlich keins war, denn ein bisschen Hass MUSS nun mal sein, um aus einem Spiel ein Duell von Erzrivalen zu machen, so hat es nur die Patina eines mit Nickeligkeiten behafteten Fußballspiels mit einem glücklichen Sieger. Herz, Leidenschaft und Identifikation mit dem Verein sehen irgendwie anders aus. Diese Attribute gelten an diesem Spieltag für all diejenigen, die sich mit unglaublicher Mühe um das Intro und die Spruchbänder im Stadion gekümmert haben. Chapeau und Prospekt, meine Herren!
Tja, mit einer zusammengewürfelten Truppe spielen wir zur Zeit tatsächlich um den Aufstieg mit - zwar nicht schön, aber trotzdem oben mit dabei - gibt eigentlich nix zum rumnörgeln, ist aber irgendwie dennoch befriedigender und unterhaltsamer als abfeiern. Komisch, ich weiß, aber wir von der Küste sind nun mal nicht so schnell zufrieden, weil wir immer noch einen Haken an der Sache vermuten. Pessimisten? Nein, leider Realisten, oder besser: gebrannte Kinder...
Zum Schluss die Fakten: in der Tabelle wieder vor der vermeintlichen Landeshauptstadt platziert und die unumstößliche Gewissheit, dass das schönste an KiHl immer noch die Straße nach Lübeck ist.
In diesem Sinne: der Platzwart
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