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27.

Sep

2004

Alt mit Gewalt
Autor: Schulze   
Sterne : 5.00/5 (1 Stimme)


Nein, es geht selbstverständlich nicht darum, sich violent durch's Leben zu schlagen! Vielmehr soll die Tatsache beleuchtet werden, dass man als Fußballfan doch gehörig schnell in die Jahre kommen kann - jedenfalls, wenn es sich um den VfB Lübeck handelt...

 

Es ist momentan einfach so: man scheint während eines Spiels des mehr oder minder ruhmreichen VfB Lübeck v.1919 nicht um 90, sondern um mindestens 180 Minuten zu altern. Die Masse der nicht genutzten Torchancen sprächen zum Beispiel dafür, denn die reichen dicke für 2 bis 3 Spiele. Dass man sich da als Fan natürlich die Haare rauft, ist klar, und schon haben wir ein weiteres Indiz für das rapide Älterwerden: keine Haare = Glatze = alt. Weil man so verzweifelt ist, fängt man als gemeiner Stadionbesucher selbstredend an, dem Alkohol zu frönen, denn man muss sich das Spiel und den Spielstand ja irgendwie schön trinken, das gibt am nächsten Morgen natürlich furchterregende Ringe unter den Augen und die lassen einen auch immer ganz schön alt aussehen - ja, in einigen Gegenden riecht man sogar nach Alt, aber das ist ein anderes, durchaus nicht vernachlässigbares Thema.

 

Beim Heimspiel gegen die lila-weißen Halbstarken, die ein trockenes Plätzchen unter der Bremer Brücke ihr eigen nennen, gab es dann aber ein Szenario zu bestaunen, dass die Auswirkungen des altmachenden Spiels auf grauenvollste Art und Weise präsent gemacht hat: von den erwarteten und bisher auch immer dagewesenen 12.000 - 13.000 Zuschauern sind unter der Woche ungefähr 8.000 Leute durch die nekrophile Spielweise unserer Mannschaft so alt geworden, dass sie einfach gestorben sind!

 

Anders ist es nicht zu erklären, warum bei so einem Spiel auf einmal nur knappe 4.000 erscheinen - ich hab' mich schon gewundert, dass gar nicht applaudiert wurde, sondern andauernd nur merkwürdiges Krückstock-Geklapper und Schaukelstuhl-Gequietsche zu hören war. Es kann allerdings auch sein, dass einige potentielle Zuschauer im Hinblick auf das zurückliegende Spiel bei den Amateuren der Geißbock-Besteiger dann doch lieber zu Hause geblieben sind, aus Angst, beschimpft oder bespuckt zu werden, wenn sie einigen Verantwortlichen ob deren miesem Gegurke mal die Meinung zu sagen wagen...

 

Nun ja, das an dieser Stelle so oft herbeizitierte Herzblut fordere ich auch dieses Mal, denn nur für's Schönspielen werden diese Krampen nicht bezahlt, mal davon abgesehen, dass sie das auch gar nicht richtig gut können! Und nur so nebenbei: weil ein Herr Kampf beim VfB angestellt ist und ich nicht, kann er nach dem Spiel trotzdem mal Rede und Antwort stehen, wenn er mir auf dem Flur begegnet, und nicht so tun, als wäre man als Fan des Vereins nur irgend so ein Dahergelaufener! Wer hier die Dahergelaufenen sind, braucht wohl nicht eingehender beleuchtet zu werden. Vielleicht noch ein abschließender Satz an die Mannschaft: Scheiße Fußball spielen kann ich auch gut! Und dann kann ich auch viel besser beleidigt sein, wenn das einige Leute nicht gut finden, usw., usf...

 

Zurück zum Thema: Herzblut ist also dringendst notwendig, schon alleine, um die restlichen Fans per Tropf am Leben zu halten! Wenn das so weitergeht, haben wir bald einen Zuschauerschnitt unter dem der HSV(A), dann reicht sogar ein einziger Bierstand für's ganze Stadion aus, so wie einer gegen die violetten Tucken aus dem Westen für unseren Block reichen musste. Die Tatsache, dass dieser von vornherein nicht geöffnet war, brachte es mit sich, dass doch einige mitunter heftige Diskussionen entbrannten, die aber glücklicherweise mit der Munition des verbliebenen Bierstandes glimpflich gelöscht werden konnten.

 

Ein kurzer Blick in die Zukunft: es stehen uns die "Hamburger Wochen" bevor. Erst ab nach dem Ochsenzoll hin und dann kommen die Nuttenpreller an die altehrwürdige Lohmühle. Für dieses Spiel sind bereits doppelt so viele Karten weggegangen wie gegen die Partnerstadt von Ibbenbüren benötigt wurden! Da drängt sich einem der furchtbare Verdacht auf, dass das alles Leute waren, die auch schon gegen die westfälischen Ballerinas tot waren! Ein Geisterspiel? Oder doch 6.000 Zuschauer, weil 5.000 japanische Touristen von der Reeperbahn mitkommen (Scheiß Pauschal-Urlaub)?

 

Tja, wenn man ob der oben genannten Gründe nicht Angst um sein Leben haben müsste, könnte es einem ja ziemlich Latte sein, was da so auf dem Rasen passiert - einigen Spielern scheint es jedenfalls so zu gehen - wir aber kümmern uns und enden bis auf weiteres mit einem Satz aus einem Fußball-Märchen: "und wenn sie nicht gestorben sind, dann wiederbeleben wir sie noch heute.".

 

In diesem Sinne:

der Platzwart


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